Kurz gesagt: Eine KI ist stark darin, Fehler, wiederkehrende Stilmuster und Unstimmigkeiten bei Figuren und Zeitablauf aufzuspüren – mit Belegstelle. Sie kennt aber weder Ihre Absicht noch den Markt, und sie irrt sich. Die letzte Entscheidung gehört deshalb immer Ihnen.
Wer „KI-Lektorat“ sucht, will meist wissen, ob das taugt – und ob man seinem Manuskript damit etwas Gutes tut. Hier eine ehrliche Einordnung, auch dazu, worauf Sie bei jedem Anbieter achten sollten.
Was eine KI gut kann
- Rechtschreibung, Grammatik, Zeichensetzung – auch über Hunderte Seiten gleichbleibend gründlich.
- Wiederkehrende Stilmuster: Wortwiederholungen, gleiche Satzanfänge, holprige Sätze, Füllwörter.
- Unstimmigkeiten: wechselnde Namensschreibweisen, Augenfarben, die sich ändern, eine Figur, die etwas weiß, bevor sie es erfahren haben kann, Zeitsprünge, die nicht aufgehen.
- Überblick: Figuren, Orte und Handlungsstränge als Register, offene Fäden und abrupte Auflösungen als Fragen.
- Formulierungsvorschläge für einzelne Absätze – etwa knapper, bildhafter oder näher am Original.
Was eine KI nicht kann
- Ihre Absicht kennen. Ein Satzfragment, ein Dialekt, eine bewusste Wiederholung – für die KI sieht das manchmal wie ein Fehler aus.
- Ton und Wirkung beurteilen wie ein erfahrener Mensch: ob eine Szene berührt, ob der Humor trägt.
- Den Markt einschätzen: Genre-Erwartungen, Verlagsprogramme, Zielgruppen.
- Fehlerfreiheit garantieren. Sie übersieht Dinge und erfindet gelegentlich Probleme, die keine sind.
Für wen sich KI-Lektorat lohnt
Am meisten bringt ein KI-Lektorat, wenn Sie selbst überarbeiten wollen und einen gründlichen, geduldigen zweiten Blick brauchen:
- Selfpublisher, die vor dem Korrektorat die offensichtlichen Baustellen loswerden möchten.
- Autorinnen und Autoren vor einem menschlichen Lektorat, damit das Budget dort für die wirklich schwierigen Fragen bleibt.
- Lange Manuskripte mit vielen Figuren, bei denen man selbst den Überblick über Namen, Alter und Zeitlinie verliert.
- Schreibende mit wenig Zeit, die gezielt Kapitel für Kapitel vorgehen wollen.
Weniger geeignet ist es, wenn Sie eine fertige Fassung ohne eigene Arbeit erwarten. Ein KI-Lektorat liefert Hinweise und Vorschläge – die Überarbeitung bleibt Ihre.
So gehen Sie am besten vor
- Mit einem Kapitel testen: Prüfen Sie ein Kapitel, das Sie gut kennen. So sehen Sie schnell, wie treffend die Hinweise für Ihren Text sind.
- Erst das Große, dann das Kleine: Register, Kontinuität und Handlung zuerst, Rechtschreibung und Zeichensetzung zum Schluss.
- Kritisch bleiben: Lehnen Sie Hinweise ab, die nicht passen, und markieren Sie bewusste Stilmittel als beabsichtigt.
Worauf Sie bei einem KI-Lektorat achten sollten
- Belegstelle zu jedem Befund: Sie müssen sehen, worauf sich ein Hinweis bezieht – wörtlich zitiert, nicht nur behauptet.
- Änderungen nur mit Zustimmung: Kein Werkzeug sollte Ihren Text eigenmächtig umschreiben. Jede Änderung sollte rückgängig zu machen sein.
- Wohin gehen die Texte? Prüfen Sie, was übertragen, gespeichert und wofür es verwendet wird – gerade bei unveröffentlichten Manuskripten.
- Kosten vorher sichtbar: Sie sollten vor jedem Lauf wissen, was er kostet oder verbraucht.
- Passend zur Textart: Ein Kinderbuch braucht andere Maßstäbe als ein Krimi oder ein Sachbuch.
Wie Buchlektorat & Korrektorat das löst
Jeder Befund nennt Kategorie, Begründung und die wörtliche Belegstelle; „Fundstelle öffnen“ springt an die Stelle im Text. Übernommen wird nur, was Sie annehmen, und mit ⌘ Z lässt sich jede Änderung zurücknehmen. Ihre Projekte liegen nur auf Ihrem Mac; Texte gehen erst an die KI, wenn Sie eine Funktion ausdrücklich starten (Datenschutz). Jeder Dialog zeigt vorher Umfang und Verbrauch, die Preise stehen offen auf der Startseite. Textart und Genre stellen Sie pro Projekt ein, damit genretypische Mittel nicht als Fehler gelten.
Was die App nicht verspricht: einen fehlerfreien Text, den Ersatz für ein menschliches Lektorat oder einen Verkaufserfolg.
Häufige Fragen
Ist KI-Lektorat kostenlos?
Teilweise. In Buchlektorat & Korrektorat sind Lesen, Schreiben, die lokale Rechtschreibprüfung, Sicherung und Export ohne Abo nutzbar. Die KI-Funktionen kosten, weil jede Anfrage an das KI-Modell Rechenzeit verbraucht – per Abo mit Monatskontingent oder per Einmalkauf mit eigenem API-Schlüssel.
Wird mein Manuskript zum Training der KI verwendet?
Die Texte gehen an das Modell Claude von Anthropic. Anthropic verwendet über die API übertragene Inhalte nach eigenen Angaben nicht zum Training. Unser Dienst speichert keine Texte; Ihre Projekte liegen nur auf Ihrem Mac.
Macht die KI meinen Roman fehlerfrei?
Nein. Sie findet viele Fehler und Unstimmigkeiten, übersieht aber auch etwas und irrt sich manchmal. Deshalb kommt jeder Befund mit Belegstelle, und Sie entscheiden selbst.
Ersetzt KI-Lektorat ein menschliches Lektorat?
Nein. Es ist ein Werkzeug für die eigene Überarbeitung – gut, um vor einem menschlichen Lektorat die offensichtlichen Baustellen zu beseitigen, oder wenn kein Budget dafür da ist.